Buchvorstellung: Charly – Pimm von Hest, Talsma Nynke Mare, Brigitte Durst

Das Thema Tod schreckt oft viele Menschen erst einmal ab, ist leider noch immer ein kaum besprochener Teil unseres Lebens und ist doch mit der Entstehung Allem, ein unvermeidbarer Teil unseres Seins. Alles was geboren wird, muss irgendwann wieder sterben. Und obwohl uns das allen theoretisch bewusst ist, schieben wir dieses Thema gerne erst einmal von uns weg, bis wir uns unbedingt, z.Bsp. aufgrund des Todes eines geliebten Menschen oder auch Tieres plötzlich damit auseinander setzen müssen.

Ich habe mir mit der Geburt meiner Kinder immer vorgenommen so natürlich wie möglich mit diesem Thema umzugehen und auch wenn ich nicht religiös bin, meinen Kindern die Chance zu lassen, sich selbst ein Verständnis vom Tod und deren Bedeutung zu erarbeiten. Dabei habe ich immer versucht meinem Großen, schon mit seinen 4 Jahren, nicht den Eindruck zu vermitteln, das dieses Thema (wie eigentlich alle Themen des Lebens) bei uns ein Tabuthema ist oder wir darüber nicht reden wollen. Ich habe ihm bei Fragen zum Sterben, was Tod bedeutet oder was danach mit den Menschen geschieht, immer versucht, ganz offen meine eigene Sicht ungefärbt zu erläutern, ihm aber auch die Ansichten der verschiedenen Religionen, auf kindgerechte Weise erklärt, nicht vorzuenthalten.

Warum ich mich aber nun gerade hier diesem Thema zuwende? Wie einige von euch wissen, haben wir zwei Hunde, die beide mit ihren elf Jahren nicht mehr zum jungen Eisen gehören. Aber so sehr wir die Zwei auch lieben, ich merke täglich, dass sie älter werden und ihr Tod unvermeidlich näher rückt. Bestimmt nicht nächste Woche, aber vielleicht schon im nächsten oder übernächsten Jahr. Und weil unsere Kinder mit unseren zwei Hunden ganz natürlich aufwachsen und sie ganz selbstverständlich als Familienmitglied wahrnehmen, wollte ich vor allem erst einmal den Großen (und vielleicht auch mich selbst) behutsam an eben dieses Thema – Tod des geliebten Haustieres – heranführen, um uns den irgendwann anstehenden Abschied von unseren geliebten Hunden irgendwie zu erleichtern.

Mit dem Lesen des Buchs Charly von Talsma Nynke Mare und Brigitte Durst, sowie dem nachfolgenden Gesprächen darüber, ist uns dies hoffentlich schon ein Stück weit gelungen. Die Geschichte um Tim und seinem besten Freund, seinem Hund Charly, handelt nämlich genau von dieser großen Nähe zwischen Kind und Tier, der Vertrautheit und dem plötzlichen und für Kinder meist so unerwarteten Moment des Abschied und wie man diesen für eine Familie gestalten kann.

Buchbesprechung-Charly

Kurz und knapp: Titel: Charly, Autor: Pimm van Hest, Illustrationen: Nynke Mare Talsma, Übersetzung: Brigitte Durst, erschienen im Patmos Verlag, Format 21 x 29 cm, 32 Seiten, vierfarbig, Hardcover, empfohlenes Alter: 3 – 6 Jahre, selbstverständlich, leise, bewegend  und zum Heranführen von Kindern an das Thema Tod ihres geliebten Vierbeiner sehr gut geeignet, 12,99 Euro

Zum Inhalt: Tim hat einen besten Freund: seinen Hund Charly. Am liebsten tobt er mit ihm durchs Haus und den Garten. Charly erwartet ihn jeden Morgen schon schwanz-wedelnd am Fuß der Treppe, um mit ihm neue Abenteuer zu erleben. Doch eines Morgens ist Charly nicht da, als Tim herunterkommt. Er liegt still in seinem Körbchen und will auch nicht aufwachen, als Tim ihn sanft schüttelt. „“Charly lebt nicht mehr, Tim, er ist heute Nacht gestorben““, sagt seine Mutter und nimmt ihn in den Arm. Tim ist furchtbar traurig. Aber gemeinsam mit seinen Eltern findet er einen Weg, sich von Charly zu verabschieden und sich liebevoll an ihn zu erinnern.

Zum Design: Auch wenn ich das Design des Buches hier nicht als wesentliches Element des Inhalts sehe, finde ich die Illustrationen von Nynke Mare Talsma sehr gelungen. Die Bilder sind nicht überladen, meist ohne detaillierten Hintergrund und für Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechend gestaltet. Die Illustrationen wirken wie mit Acryl und Pinsel gemalt und erhalten durch das Erkennen einzelner Pinselstriche zusätzliche Dynamik. Im ersten Teil der Geschichte bis zum Tod Charlys, sind die Bilder besonders farbenfroh koloriert und spiegeln damit möglicherweise die Unbefangenheit und das gemeinsame und spielerische Leben von Tim und Charly wieder. Mit dem Tod Charlys wechseln die Bilder in eine blau dominierte Farbwelt, welche sich zum Ende des Buches, mit dem Abschied von Charly wieder in hellere mehrfarbige Kolorationen wandelt.

Zum Text: Der Text ist für Kinder ansprechend in direkter und indirekter Rede geschrieben, mit einfachen und leicht verständlichen Sätzen. Er hat einen natürlichen und weichen Fluss. Er ist sehr ansprechend und emotional berührend obwohl der Text seine Emotionalität dem Leser nicht aufdrängt, oder mit Adjektiven um sich wirft. Gerade die Klarheit und gefühlte Nähe zu Tim und seiner Familie, hat mich als Leser stark berührt. Der Text weckt Empathie und eigene Emotionen auf leise Art und Weise und trifft damit noch tiefer in Herz.

Was meine Kinder zum Buch sagen: Mein Großer war, wie ich auch, sehr berührt von der Geschichte und am Ende des Buches den Tränen nahe. Er kämpfte mit sich nicht weinen zu müssen. Das hat mich unglaublich berührt aber auch etwas verunsichert, da ich hier, bei einem 4 Jahre alten Jungen schon das Bedürfnis gesehen habe, seine Emotionen lieber verstecken zu wollen und nicht voll auszuleben. Ihn hat die Geschichte um Tim und Charly dabei sehr aufgewühlt und er hat mich in den folgenden Tagen häufig auf das Thema Tod unserer Hunde angesprochen, wir haben viel darüber geredet, wobei es ihm sehr wichtig schien, dass er sich selbst und ich ihm zusicherten, dass die beiden aber bestimmt nicht so bald sterben würden. „Bestimmt erst in ein paar Jahren. Bestimmt!“ Ich glaube, dass er das Buch dabei weniger als Geschichte, sondern tatsächlich schnell auf sein eigenes Leben mit seinen Hunden übertragen hat. Und auch wenn man sich und die Kinder vielleicht nie ganz auf einen solchen Verlust vorbereiten kann, so hat Charly mit seiner Geschichte um Tim und seinen besten Freund, seinen Hund Charly, genau das erreicht, was es meiner Meinung nach aus war zu tun: nämlich einen Dialog zwischen uns Eltern und ihm als Kind anzustoßen, uns das unausweichliche Ableben unserer vierbeinigen Familienmitglieder einmal vor Augen zu führen und vielleicht auch etwas zu trösten, indem es einen Weg aufzeigt, wie eine Familie einen für sich guten Weg des Abschieds finden kann.

Fazit: Absolut kaufenswert für alle Familien mit Kind und Haustier, die mit Charly einen, wenn gleich sehr bewegenden Einstieg in das Thema Tod des geliebten Vierbeiners wagen möchten. Charly bietet dabei Eltern und Kindern die Chance, mögliche Szenarien des Abschiedes vom geliebten Hund oder Katze, schon einmal zu Durchdenken und über das Sterben als solches und dem Tod des eigenen Familientieres zu sprechen.

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